Vier Spuren, neuer Knoten und vernetzte Lebensräume
Ausbau der Schaffhauserstrasse im Hardwald
Der Ausbau der Schaffhauserstrasse zwischen Bülach Nord und Glattfelden reagiert auf steigende Verkehrsbelastungen und veränderte Anforderungen. Neben mehr Kapazität stehen Verkehrssicherheit, Umweltverträglichkeit und eine sorgfältige Bauweise im Fokus. Das Projekt verbindet technische Lösungen mit Verantwortung für den sensiblen Naturraum des Hardwaldes.
Wo die kantonale Autobahn A51 bei Bülach Nord endet, führte die Schaffhauserstrasse bisher als zweispurige Hauptstrasse durch den Hardwald Richtung Glattfelden und Eglisau. Mit dem starken Verkehrswachstum der letzten Jahre stiess diese Verbindung zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen. Besonders der Kreisel «Chrüzstrass» war während der Spitzenzeiten regelmässig überlastet. Rückstaus bis nach Bülach gehörten zum Alltag, ebenso sicherheitsrelevante Konflikte für alle Verkehrsteilnehmenden.
Gleichzeitig entsprach die bestehende Infrastruktur in mehreren Bereichen nicht mehr den heutigen Anforderungen. Die Entwässerung war ungenügend, die Betriebs- und Sicherheitsausrüstung veraltet und der Eingriff in das sensible Ökosystem des Hardwaldes deutlich spürbar.

Vom politischen
Auftrag zur Umsetzung
2009 wurde das Thema politisch aufgegriffen, ab 2012 begann das Tiefbauamt des Kantons Zürich mit der Projektierung. Ziel war von Anfang an mehr als eine reine Kapazitätserhöhung. Der Ausbau sollte Verkehrssicherheit und Verkehrsfluss verbessern, Ausweichverkehr verhindern und gleichzeitig die ökologische Vernetzung des Hardwaldes wiederherstellen.
Nach mehreren Planungs- und Genehmigungsphasen übernahm F. Preisig ab 2020 eine zentrale Rolle in der Umsetzung. In den Phasen von der Ausschreibung bis zur Inbetriebnahme brachte sie ihr interdisziplinäres Know-how ein und begleitete das Projekt durch anspruchsvolle Abstimmungen und Optimierungen.

Bauen unter
laufendem Verkehr
Das Herzstück des Projekts ist der neue, kreuzungsfreie Knoten «Chrüzstrass». Er ersetzt den bisherigen Kreisel und entflechtet den Verkehr auf zwei Ebenen. Überspannt wird der Knoten von einer 90 m langen Integralbrücke, die sich harmonisch dem Terrain anpasst. Darunter entstehen neue Verkehrsführungen, Entwässerungsanlagen mit Versickerungsbecken und weitere Kunstbauten.
Eine der grossen Herausforderungen ist das Bauen unter laufendem Verkehr. Die Schaffhauserstrasse ist eine zentrale Verbindung durch den Hardwald und kann während der Bauzeit nicht vollständig gesperrt werden. Deshalb wird das Projekt etappenweise umgesetzt. Zuerst entsteht eine Fahrbahnhälfte mit zwei Spuren. Auch Überführungen und Bauwerke werden in dieser Phase nur bis zur Mitte realisiert. Sobald dieser Abschnitt fertiggestellt ist, wird der Verkehr auf die neue Strasse verlegt. Erst danach folgt der Bau der zweiten Fahrbahnhälfte.

Bau der provisorischen Umfahrungsstrasse zur Aufrechterhaltung des Verkehrs während der Bauzeit.
Ergänzend wurde eine rund 2,5 km lange provisorische Umfahrungsstrasse erstellt. Parallel dazu mussten zahlreiche grosskalibrige Werkleitungen verlegt werden, bevor die eigentlichen Hauptarbeiten beginnen konnten. Ein komplexes Zusammenspiel aus Bauphasen, Logistik und Verkehrsführung, das hohe Präzision und Koordination erfordert.

Umwelt beginnt
in der Planung
Der Schutz des Hardwaldes ist ein zentrales Thema des Projekts. Dabei geht es nicht nur um Massnahmen während der Bauphase, sondern um grundsätzliche Fragen, die bereits früh in der Planung gestellt wurden: Wie viel Infrastruktur braucht es tatsächlich? Und wie lässt sich das Notwendige möglichst schonend umsetzen?

«Bereits in der Planung stellen wir uns die Frage, wie viel Baumasse es tatsächlich braucht und was wirklich umgesetzt werden muss.»
Der Ausbau der Schaffhauserstrasse macht Eingriffe in den Wald unumgänglich. Durch die Verbreiterung der Strasse mussten Waldflächen gerodet werden. Solche Eingriffe erfordern Ausgleichsmassnahmen, die den Verlust an Natur kompensieren. Ziel ist es, gleichwertige ökologische Werte zu schaffen und die langfristige Funktion des Lebensraums zu sichern.

Die Wildtierüberführung stellt eine wichtige Verbindung im Hardwald wieder her.
Ein wichtiger Baustein in diesem Zusammenhang ist die neue Wildtierüberführung. Sie stellt eine wichtige Verbindung im Hardwald wieder her und ermöglicht es Wildtieren, den Verkehrsraum sicher zu queren. So entsteht trotz leistungsfähiger Infrastruktur ein zusammenhängender Lebensraum, der den Bedürfnissen von Mensch und Natur gerecht wird.

Zusammenspiel
vieler Disziplinen
Der Ausbau im Hardwald ist kein Projekt einer einzelnen Fachrichtung. Er entsteht aus dem Zusammenspiel zahlreicher Disziplinen, die in jeder Phase eng zusammenarbeiten. Planung, Koordination und Umsetzung greifen ineinander wie Puzzleteile, die erst im Gesamtbild ihre volle Wirkung entfalten.

«Ich bin stolz darauf, was wir gemeinsam erreicht haben – gerade auch dort, wo zu Beginn noch offen war, wie sich eine Herausforderung lösen lässt.»
Bauingenieur:innen, Elektroingenieur:innen und Umweltingenieur:innen bringen ihre unterschiedlichen Perspektiven ein und entwickeln gemeinsam Lösungen, die technisch funktionieren und gleichzeitig Rücksicht auf Umwelt und Betrieb nehmen. Gerade diese Vielfalt an Fachwissen macht es möglich, komplexe Anforderungen zu verbinden und tragfähige Entscheidungen zu treffen.
Projektteam
Adriana León

Alice Killeen

Andreas Schurter

Daniela Michel
David Seitler

Fabio Sager
Florian Sigg
Georg Wartenweiler

Immanuel Muheim
Jang Mergen

Jens Dreyer
Jérémie Surbeck

Lukas Hasenfratz

Marc Hofmann

Markus Röllin

Martin Bänninger
Milena Berger

Nathanael Hofmann

Philipp Hänggi

Spyridon Sokolakis

Stefan Lüthi

Sylvia Scherer










